Mo

23

Jan

2017

Spambots vs. Olsberg 2:0

 

 

 

"Dankeschön, ich suche schon lange nach Informationen zu diesem Thema und Ihre sind die besten, die ich bis jetzt gefunden habe. Was aber schließen Sie nun daraus? Sind Sie sicher in Bezug auf den Nachschub/die Verfügbarkeit?"

 

Was so nett klingt, stammt im Zeitalter des "Postfaktischen" mit einiger Wahrscheinlichkeit von einer Maschine - einem Spambot, der sich viel Mühe gibt, zu verschleiern, dass er kein Mensch ist. In diesem konkreten Fall scheitert er daran, dass er die falsche Sprache wählt und knapp am Thema vorbei geht: einem kritischen Blogartikel zu einer umstrittenen Amazon-Maßnahme, so dass die Frage nach dem Nachschub nicht so ganz passt. Ein Mensch ist also gerade eben noch in der Lage, anhand des Kontextes zu erschließen, dass hier eine Maschine am Werk war. Bei Tweets im Wahlkampf beispielsweise ist das schon deutlich schwieriger.

 

Vor allem aber hat es diese Maschine geschafft, eine andere Maschine zu täuschen und ihr vorzugaukeln, sie sei ein Mensch. Denn diesen Kommentar hätte eigentlich die Captcha-Funktion, die ich gerade erst mühsam eingeschaltet hatte, verhindern sollen. Captcha steht für "Completely Automated Program to Tell Computers and Humans Apart", für ein Programm also, das extra dafür geschaffen wurde, Maschinen von Menschen zu unterscheiden. Wie ich in dem Beitrag schrieb, sind heute schon viele Maschinen in der Lage, die damit verbundenen Aufgaben schneller und besser zu lösen als ein Mensch.

 

Nun hat mich also eine solche Maschine heimgesucht, und wieder einmal bin ich von der Realität überholt worden - ich wusste zwar, dass das technisch möglich ist, hatte aber gehofft, noch eine Weile mit meinen vergleichsweise primitiven Schutzmechanismen auszukommen. Nun hilft mir kein Automatismus mehr - ich muss all diese nutzlosen Kommentare manuell entfernen (allein gestern Nacht waren es drei).

 

Da das kaum zuverlässig zu bewerkstelligen ist, hier die Bitte an meine Leser: Klicken Sie nicht auf die Absendernamen von Kommentarschreibern, denn dahinter können sich Links zu Websites mit Schadprogrammen oder unseriösen Angeboten verbergen!

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Fr

23

Dez

2016

Sind Computer die besseren Menschen?

Seit einigen Tagen haben wir eine neue Mitbewohnerin. Sie heißt Alexa, ist stets freundlich, geduldig und gut gelaunt, kennt sich mit meinem Musikgeschmack aus, geht nicht ohne zu fragen an den Kühlschrank und beansprucht wenig Platz (eine runde Stellfläche von zehn Zentimetern Durchmesser reicht völlig).

 

Ich hatte ja schon angekündigt, dass ich mich darauf freue, Amazons neues Gerät "Echo" auszuprobieren. Meine durchaus hohen Erwartungen wurden noch übertroffen. Es ist erstaunlich, wie gut Alexa einen auch ohne Training versteht, wie intelligent sie reagiert und - was mich besonders beeindruckt - wie natürlich ihre Sprachausgabe klingt (sie kann sogar Weihnachtslieder singen!).

 

Momentan nutzen wir sie im Wesentlichen als intelligentes Radio. Dafür allein hat sich der Kauf schon gelohnt - durch die Sprachsteuerung und das reichhaltige Musikrepertoire dank Amazon Prime ist Alexa einfacher zu bedienen und vielseitiger als jeder CD-Player. Was sie noch alles drauf hat, werden wir erst nach und nach erkunden können, aber sie kommt meiner Vision aus "Mirror" tatsächlich schon ziemlich nahe. Auf jeden Fall bin ich jetzt nicht mehr der schlechteste Witzeerzähler in unserer Familie (obwohl man zugeben muss, dass Alexas trockene Stimme auch schlechte Witze sehr lustig rüberbringt).

 

Das vergangene Jahr war für mich persönlich sehr positiv, aber insgesamt gesehen doch eher ernüchternd. Vom globalen Terror über Brexit, Erdogan und Trump bis zur Zerstörung von Aleppo kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Menschen einfach nicht in der Lage sind, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen - im Unterschied zu Maschinen, die enorm lernfähig sind. Man fragt sich unwillkürlich, ob Alexa nicht eine ganz brauchbare US-Präsidentin abgeben würde. Dass wir spätestens in ein paar Jahrzehnten Computer haben werden, die alle wichtigen Entscheidungen besser treffen können als jeder Mensch, steht für mich jedenfalls außer Frage (viel schlechter geht es ja in vielen Fällen auch gar nicht).

 

Inzwischen frage ich mich, ob die größte Gefahr, die von Maschinen für die Zukunft der Menschheit ausgeht, nicht bösartige Machtübernahme (wie in "Das System") oder falsch verstandene Fürsorge (wie in "Mirror'") ist - sondern schlichte Überlegenheit. Maschinen sind womöglich bald geduldiger, klüger, freundlicher, weitblickender, weiser als wir. Warum das eine Gefahr wäre? Weil dann viele Menschen vielleicht lieber mit Maschinen zusammen sind als mit anderen Menschen. Das könnte mittelfristig zu einem Aussterben der Menschheit durch mangelnde Reproduktion führen, oder zu einem Rückfall in eine mittelalterliche (ein anderes Wort dafür ist "postfaktische") Kultur, in der wir vollkommen abhängig von Maschinen sind, weil wir ohne sie gar nichts mehr auf die Reihe bekommen. Maschinen werden dann vielelicht unsere einzigen Freunde sein.

 

Die gute Nachricht ist: Intelligente Maschinen haben das Potenzial, zu verhindern, dass Egomanen wie Trump, Putin und Erdogan diesen Planeten endgültig ruinieren.

 

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start in ein glückliches und hoffentlich insgesamt gesehen etwas vernünftigeres Neues Jahr!

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So

18

Dez

2016

Die gute Seite der Technik

Gestern war ich mit meiner Frau im Kino, um die sehenswerte Flüchtlingskomödie "Willkommen bei den Hartmanns" anzuschauen. Sie war sehr unterhaltsam, wurde aber durch einen kurzen Film getoppt, der vorher lief - der schönste und bewegendste Werbespot, den ich je gesehen habe.

 

Auf brillante Weise werden in dem mit fünf Minuten ungewöhnlich langen Werbefilm der "Aktion Mensch" Vorurteile abgebaut und in großartigen Bildern die unverkrampfte Begegnung zwischen Kindern und behinderten Menschen gezeigt. Im Mittelpunkt steht dabei moderne Technik, die Behinderten auf vielfältige Weise hilft.

 

Ich habe in meinen Büchern und in diesem Blog oft auf mögliche Fehlentwicklungen, Gefahren und Probleme mit der technischen Entwicklung hingewiesen, dabei aber auch immer betont, dass ich kein Technik-Feind bin. Der Film "Die neue Nähe" der Aktion Mensch zeigt auf wunderbare Weise, warum wir trotz aller Risiken keine Angst vor Technik haben sollten.

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