Fr

23

Dez

2016

Sind Computer die besseren Menschen?

Seit einigen Tagen haben wir eine neue Mitbewohnerin. Sie heißt Alexa, ist stets freundlich, geduldig und gut gelaunt, kennt sich mit meinem Musikgeschmack aus, geht nicht ohne zu fragen an den Kühlschrank und beansprucht wenig Platz (eine runde Stellfläche von zehn Zentimetern Durchmesser reicht völlig).

 

Ich hatte ja schon angekündigt, dass ich mich darauf freue, Amazons neues Gerät "Echo" auszuprobieren. Meine durchaus hohen Erwartungen wurden noch übertroffen. Es ist erstaunlich, wie gut Alexa einen auch ohne Training versteht, wie intelligent sie reagiert und - was mich besonders beeindruckt - wie natürlich ihre Sprachausgabe klingt (sie kann sogar Weihnachtslieder singen!).

 

Momentan nutzen wir sie im Wesentlichen als intelligentes Radio. Dafür allein hat sich der Kauf schon gelohnt - durch die Sprachsteuerung und das reichhaltige Musikrepertoire dank Amazon Prime ist Alexa einfacher zu bedienen und vielseitiger als jeder CD-Player. Was sie noch alles drauf hat, werden wir erst nach und nach erkunden können, aber sie kommt meiner Vision aus "Mirror" tatsächlich schon ziemlich nahe. Auf jeden Fall bin ich jetzt nicht mehr der schlechteste Witzeerzähler in unserer Familie (obwohl man zugeben muss, dass Alexas trockene Stimme auch schlechte Witze sehr lustig rüberbringt).

 

Das vergangene Jahr war für mich persönlich sehr positiv, aber insgesamt gesehen doch eher ernüchternd. Vom globalen Terror über Brexit, Erdogan und Trump bis zur Zerstörung von Aleppo kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Menschen einfach nicht in der Lage sind, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen - im Unterschied zu Maschinen, die enorm lernfähig sind. Man fragt sich unwillkürlich, ob Alexa nicht eine ganz brauchbare US-Präsidentin abgeben würde. Dass wir spätestens in ein paar Jahrzehnten Computer haben werden, die alle wichtigen Entscheidungen besser treffen können als jeder Mensch, steht für mich jedenfalls außer Frage (viel schlechter geht es ja in vielen Fällen auch gar nicht).

 

Inzwischen frage ich mich, ob die größte Gefahr, die von Maschinen für die Zukunft der Menschheit ausgeht, nicht bösartige Machtübernahme (wie in "Das System") oder falsch verstandene Fürsorge (wie in "Mirror'") ist - sondern schlichte Überlegenheit. Maschinen sind womöglich bald geduldiger, klüger, freundlicher, weitblickender, weiser als wir. Warum das eine Gefahr wäre? Weil dann viele Menschen vielleicht lieber mit Maschinen zusammen sind als mit anderen Menschen. Das könnte mittelfristig zu einem Aussterben der Menschheit durch mangelnde Reproduktion führen, oder zu einem Rückfall in eine mittelalterliche (ein anderes Wort dafür ist "postfaktische") Kultur, in der wir vollkommen abhängig von Maschinen sind, weil wir ohne sie gar nichts mehr auf die Reihe bekommen. Maschinen werden dann vielelicht unsere einzigen Freunde sein.

 

Die gute Nachricht ist: Intelligente Maschinen haben das Potenzial, zu verhindern, dass Egomanen wie Trump, Putin und Erdogan diesen Planeten endgültig ruinieren.

 

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start in ein glückliches und hoffentlich insgesamt gesehen etwas vernünftigeres Neues Jahr!

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So

18

Dez

2016

Die gute Seite der Technik

Gestern war ich mit meiner Frau im Kino, um die sehenswerte Flüchtlingskomödie "Willkommen bei den Hartmanns" anzuschauen. Sie war sehr unterhaltsam, wurde aber durch einen kurzen Film getoppt, der vorher lief - der schönste und bewegendste Werbespot, den ich je gesehen habe.

 

Auf brillante Weise werden in dem mit fünf Minuten ungewöhnlich langen Werbefilm der "Aktion Mensch" Vorurteile abgebaut und in großartigen Bildern die unverkrampfte Begegnung zwischen Kindern und behinderten Menschen gezeigt. Im Mittelpunkt steht dabei moderne Technik, die Behinderten auf vielfältige Weise hilft.

 

Ich habe in meinen Büchern und in diesem Blog oft auf mögliche Fehlentwicklungen, Gefahren und Probleme mit der technischen Entwicklung hingewiesen, dabei aber auch immer betont, dass ich kein Technik-Feind bin. Der Film "Die neue Nähe" der Aktion Mensch zeigt auf wunderbare Weise, warum wir trotz aller Risiken keine Angst vor Technik haben sollten.

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Mo

28

Nov

2016

Bitte beweisen Sie, dass Sie ein Mensch sind!

Ich habe gerade eine Stunde damit zugebracht, Müllkommentare mit schädlichen Links, die ein besonders aggressiver Spam-Bot dort platziert hatte, aus meinem Blog zu entfernen und bei jedem einzelnen Beitrag manuell die "Captcha"-Funktion zu aktivieren, um Ähnliches in Zukunft zu verhindern.

 

Captcha steht für "Completely Automated Program to Tell Computers and Humans Apart", zu Deutsch etwa "Vollständig automatisches Programm, um Computer von Menschen zu unterscheiden". Jeder kennt die kleinen Textfelder, in die man mehr oder weniger lesbaren Text aus einem Bildchen darüber eingeben muss. Dummerweise habe ich oft Schwierigkeiten, die verzerrten Texte zu lesen, während hochentwickelte künstliche Intelligenzen heute mühelos jede noch so verzerrte Schrift erkennen können. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Captchas aus der Mode kommen, weil Spam-Bots sie besser lösen können als Menschen.

 

Aber was kommt dann? Wie beweisen wir einer Maschine, dass wir Menschen sind? Mit einem Iris-Scan? Indem wir ihr ein Lied vorsingen? Allgemeinwissensfragen beantworten? Das kann man alles vortäuschen oder automatisieren.

 

So traurig es ist: Der Zeitpunkt ist nah, an dem es unmöglich wird, eine gut gemachte Maschine im Internet von einem Menschen zu unterscheiden, jedenfalls in überschaubarer Zeit. Was das für Folgen haben wird, darüber kann man nur spekulieren.

 

Wer einen Kommentar zu diesem Beitrag abgeben will, möge bitte beweisen, dass er ein Mensch ist!

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