Ein Experiment mit Konsequenzen

Im Januar habe ich dazu aufgefordert, 2021 „die richtigen Fehler zu machen“, sprich Experimente mit ungewissem Ausgang zu wagen. Wie in dem Beitrag bereits angekündigt, gehe ich mit gutem Beispiel voran und starte heute gemeinsam mit meinem Sohn Nik einen neuen Youtube-Kanal mit dem Titel „Karl Olsbergs Konsequenzen“.

Ab heute erscheint jeden Sonntag eine neue Kurzgeschichte von mir, gelesen von Nik, der auch die grafische Gestaltung des Kanals und den Videoschnitt übernimmt. In jeder Geschichte geht es um eine schwierige Entscheidung. Dabei gibt es meistens kein „richtig“ oder „falsch“, sondern eben nur unterschiedliche Konsequenzen. Das Besondere: Die Hörer können selbst überlegen, wie sie sich in der jeweiligen Situation entscheiden würden, und entsprechend eines von mehreren alternativen Enden auswählen. Da das auf Youtube am einfachsten und benutzerfreundlichsten umsetzbar ist, haben wir diese Plattform für das Experiment gewählt.

In der ersten Folge sieht sich Nora, Managerin in einem Automobilkonzern, mit einer ethisch-moralischen Frage im Zusammenhang mit autonomen Fahrzeugen konfrontiert: Sollte ein Auto darüber entscheiden können, ob bei einem tödlichen Unfall ein Kind oder ein alter Mann sterben muss?

Nik und ich sind sehr gespannt, wie das Experiment ankommt und welche Konsequenzen die Entscheidung, es zu wagen, noch haben wird. Wir freuen uns auf jeden Fall über Feedback, Kommentare, Abonnenten und Weiterempfehlungen!

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Kommentare: 8
  • #1

    Heinrich (Sonntag, 28 März 2021 23:44)

    Super Experiment! Habt Ihr sehr gut gemacht! Klasse!
    Ich habe mich aber gleich dabei ertappt, dass ich für mich als Käufer des Autos entschieden habe (optionales Modul), und nicht in der Person von Nora, die die Konsequenzen der Entscheidung tragen muss.
    Ich vermute, dass sehr viele Teilnehmer aufgrund ihrer Ethik eine Entscheidung treffen, sich aber umentscheiden würden, wenn sie die 3 Lösungsfilme gesehen haben.
    Schade, dass Youtube diese Möglichkeit nicht bietet, meinen Wankelmut tranzparent zu machen, indem ich einmal "vorher" und einmal "nachher" klicke. ;)

    Gruß Heinrich

  • #2

    Karl Olsberg (Montag, 29 März 2021 06:23)

    @Heinrich: Das finde ich gar nicht schlimm. Es geht mir nicht so sehr darum, die "richtige" Entscheidung zu treffen, sondern ich möchte zum Nachdenken über die Frage anregen. Wir wissen ja alle nicht, ob eine Ethik-Komponente nicht doch ein Verkaufserfolg wäre, sofern sie legal wäre (was sie definitiv nicht ist). Am liebsten wäre es mir, wenn man sich die Geschichten im Freundeskreis anhört und darüber diskutiert. Aber das geht ja momentan nicht.

  • #3

    Heinrich (Mittwoch, 07 April 2021 18:51)

    Hallo Nik und Karl,
    wieder sehr gut gemacht,
    aber
    in diesem Fall sind die Konsequenzen nicht so sehr von der Entscheidung abhängig. Nicht nur, weil es bei Zufall und Abbruch exakt gleiche Konsequenzen hat, sondern diese nur deshalb getragen werden müssen, weil 2 Menschen die Entscheidung treffen wollten, die keine gemeinsame Zukunft haben - auch wenn sie es erst spät gemerkt haben.
    Aber unabhängiug davon habt Ihr die Zuschauer nachdenklich gemacht, was das Aussuchen von Kindern "aus dem Katalog" angeht! Und das ist wichtig!

    Gruß Heinrich

  • #4

    Karl Olsberg (Donnerstag, 08 April 2021 07:10)

    @Heinrich: Es stimmt, die falsche Entscheidung ist schon gefallen, bevor die Geschichte beginnt. Aber mir geht es bei "Konsequenzen" wie schon geschrieben nicht darum, welche Entscheidung "richtig" ist, sondern darum, eine Diskussion über das jeweilige Thema anzuregen.

  • #5

    Heinrich (Donnerstag, 08 April 2021 20:04)

    @Karl, dass Du es mir 2x erklären musst, liegt entweder daran, dass ich nicht aufmerksam gelesen habe, oder dass die "Augabenstellung"
    Hör dir die Geschichte an und wähle dann eine der drei Möglichkeiten am Ende dieses interaktiven Videos, um zu erfahren, welche Konsequenzen deine Entscheidung hätte.
    dazu verleitet, sich zu entscheiden um dann zu erfahren, ob die Entscheidung "richtig" war. Wie bei Multiple Choice in der Führerscheinprüfung. ;)
    Denn wenn die Entscheidung und die damit verbundenen Konsequenzen entweder egal sind, oder alle der gezeigten Konsequenzen negativ sind, geben sie einer Ethik-Diskussion wenig Spielraum.
    Weil ich dann vermeiden würde, mich überhaupt solch einer Situation zu stellen - wenn möglich.

  • #6

    Karl Olsberg (Freitag, 09 April 2021 07:30)

    @Heinrich: Jetzt muss ich doch etwas weiter ausholen. Die Idee bei "Konsequenzen" ist es, eine Diskussion über schwierige Entscheidungen anzuregen. Dabei gibt es selten ein absolutes "richtig" oder "falsch", deshalb sind auch die möglichen Konsequenzen in meinen Geschichten meist so gewählt, dass es keine "Belohnung" für die "richtige" Entscheidung gibt. Das heißt aber nicht, dass es egal ist, wie man sich entscheidet.

    In der Geschichte "Die Auswahl" zum Beispiel hängt das Schicksal des Kindes existenziell von der Entscheidung ab (bei Alternative A existiert Aaron, bei den anderen beiden nicht). Und auch wenn alle drei Entscheidungen letztlich auf eine Trennung des Paares hinauslaufen, ist der Weg dorthin doch sehr unterschiedlich - in einem Fall leidet Anna jahrelang unter ihrer Entscheidung, in den beiden anderen bleibt sie sich selbst treu.

    Letztlich sind aber die "Konsequenzen", die ich beschreibe, nur einige wenige der Myriaden an Möglichkeiten, was tatsächlich in so einer Situation passieren könnte. Deshalb freue ich mich, wenn die Zuhörer selbst überlegen, inwiefern die von mir beschriebenen Konsequenzen realistisch sind bzw. was stattdessen hätte passieren können oder sollen - auch das ist Teil der von mir beabsichtigten Diskussion.

    Zu guter Letzt gibt es aber auch Geschichten, bei denen es doch eine Belohnung für die "richtige" Entscheidung gibt. Eine solche erscheint nächsten Sonntag. :)

  • #7

    Heinrich (Freitag, 09 April 2021 19:33)

    @Karl, ich habe tatsächlich die Einleitung hier im Blog nicht aufmerksam gelesen, oder inzwischen schon wieder vergessen, als ich Film Nr.2 gesehen habe. ;)

    Dazu kommt noch, dass ich in meinem Leben immer mal wieder versucht habe, mich vor "schwierigen Entscheidungen" zu drücken. So etwas lässt sich ja dann im hohen Alter kaum noch reparieren. ;)
    So ein Mensch reagiert auf zu treffende Entscheidungen ja ganz anders und versucht, nicht so viele "Fehler" zu machen wie früher.

  • #8

    Karl Olsberg (Samstag, 10 April 2021 11:28)

    @Heinrich: Ja, das mit dem Drücken vor Entscheidungen kenne ich. Aber nicht zu entscheiden ist leider auch eine Entscheidung, und oft nicht die Bessere. Aus den "richtigen" Fehlern kann man jedenfalls etwas lernen (siehe meinen Blogbeitrag vom 2. Januar).