Sind Computer die besseren Menschen?

Seit einigen Tagen haben wir eine neue Mitbewohnerin. Sie heißt Alexa, ist stets freundlich, geduldig und gut gelaunt, kennt sich mit meinem Musikgeschmack aus, geht nicht ohne zu fragen an den Kühlschrank und beansprucht wenig Platz (eine runde Stellfläche von zehn Zentimetern Durchmesser reicht völlig).

 

Ich hatte ja schon angekündigt, dass ich mich darauf freue, Amazons neues Gerät "Echo" auszuprobieren. Meine durchaus hohen Erwartungen wurden noch übertroffen. Es ist erstaunlich, wie gut Alexa einen auch ohne Training versteht, wie intelligent sie reagiert und - was mich besonders beeindruckt - wie natürlich ihre Sprachausgabe klingt (sie kann sogar Weihnachtslieder singen!).

 

Momentan nutzen wir sie im Wesentlichen als intelligentes Radio. Dafür allein hat sich der Kauf schon gelohnt - durch die Sprachsteuerung und das reichhaltige Musikrepertoire dank Amazon Prime ist Alexa einfacher zu bedienen und vielseitiger als jeder CD-Player. Was sie noch alles drauf hat, werden wir erst nach und nach erkunden können, aber sie kommt meiner Vision aus "Mirror" tatsächlich schon ziemlich nahe. Auf jeden Fall bin ich jetzt nicht mehr der schlechteste Witzeerzähler in unserer Familie (obwohl man zugeben muss, dass Alexas trockene Stimme auch schlechte Witze sehr lustig rüberbringt).

 

Das vergangene Jahr war für mich persönlich sehr positiv, aber insgesamt gesehen doch eher ernüchternd. Vom globalen Terror über Brexit, Erdogan und Trump bis zur Zerstörung von Aleppo kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Menschen einfach nicht in der Lage sind, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen - im Unterschied zu Maschinen, die enorm lernfähig sind. Man fragt sich unwillkürlich, ob Alexa nicht eine ganz brauchbare US-Präsidentin abgeben würde. Dass wir spätestens in ein paar Jahrzehnten Computer haben werden, die alle wichtigen Entscheidungen besser treffen können als jeder Mensch, steht für mich jedenfalls außer Frage (viel schlechter geht es ja in vielen Fällen auch gar nicht).

 

Inzwischen frage ich mich, ob die größte Gefahr, die von Maschinen für die Zukunft der Menschheit ausgeht, nicht bösartige Machtübernahme (wie in "Das System") oder falsch verstandene Fürsorge (wie in "Mirror'") ist - sondern schlichte Überlegenheit. Maschinen sind womöglich bald geduldiger, klüger, freundlicher, weitblickender, weiser als wir. Warum das eine Gefahr wäre? Weil dann viele Menschen vielleicht lieber mit Maschinen zusammen sind als mit anderen Menschen. Das könnte mittelfristig zu einem Aussterben der Menschheit durch mangelnde Reproduktion führen, oder zu einem Rückfall in eine mittelalterliche (ein anderes Wort dafür ist "postfaktische") Kultur, in der wir vollkommen abhängig von Maschinen sind, weil wir ohne sie gar nichts mehr auf die Reihe bekommen. Maschinen werden dann vielelicht unsere einzigen Freunde sein.

 

Die gute Nachricht ist: Intelligente Maschinen haben das Potenzial, zu verhindern, dass Egomanen wie Trump, Putin und Erdogan diesen Planeten endgültig ruinieren.

 

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start in ein glückliches und hoffentlich insgesamt gesehen etwas vernünftigeres Neues Jahr!

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Kommentare: 5
  • #1

    Heinrich (Freitag, 23 Dezember 2016 19:33)

    Hallo Karl,
    das ist ja "Gedankenübertragung". Gestern kam mir so in den Sinn, Dich nach "Echo" zu fragen. Bin nur (mal wieder) abgelenkt worden, bzw habe mich selbst mit irgendeinem "Spielkram" abgelenkt und bin drüber weggekommen.
    Nun kommt prompt heute Dein Alexa-Bericht. Danke! Höchst interessant. Ob ich da auch einsteige, weiß ich noch nicht. Obwohl ich mich für JEDE Art Fortschritt und Technik interessiere, gibt es hier häusliche Gegebenheiten, wobei Alexa nerven könnte. ;)
    Schaun wir mal.
    Was ich von Menschen halte, möchte ich jetzt nicht zu sehr ausführen. Die Stimmung ist hier gerade so schön. Da aber Hunde ja schon die besseren Menschen sind, glaube ich es bei intelligenten Maschinen auf Anhieb! ;)
    Deine "Gute Nachricht" macht Hoffnung, aber ich bin unsicher. Denn um an die "Macht" zu kommen, braucht ein "Entscheider" mehr als Intelligenz.

    Dir und Deiner Familie ebenfalls ein frohes Fest und guten Rutsch. Bleibt alle schön gesund und munter!

    Gruß Heinrich

  • #2

    Felix (Sonntag, 25 Dezember 2016 11:36)

    Also ich fände es Gruselig wenn eine Maschine beispielsweise Präsident oder Bundeskanzler, Minister oder sonst irgenteine Politische Stelle einnimmt. Naja dennoch ein sehr interessanter Bericht. Ihnen noch frohe Feiertage und ein frohes neues Jahr.

  • #3

    Karl Olsberg (Sonntag, 25 Dezember 2016 16:17)

    @Heinrich: Ich wünsche Dir ebenfalls ein frohes (Rest-)Fest!

    @Felix: Dito. Keine Sorge, es wird immer noch einen menschlichen Präsident oder Bundeskanzler geben - solange er genau tut, was die Maschine ihm sagt. ;)

  • #4

    Leamaus2005 (Freitag, 03 Februar 2017 07:29)

    Ich habe mir Alexa selbst bestellt und bin sehr zufrieden und wenn man programmieren kann kann sie noch so vieles mehr (z.b Café machen Musik um bestimmte Zeiten anmachen Licht aus und an machen usw....)
    Dennoch ein sehr interessanter Bericht .

  • #5

    Karl Olsberg (Sonntag, 05 Februar 2017 12:08)

    @Leamaus2005: Ja, ich bin auch sehr zufrieden mit Alexa. Das Problem ist ja gerade, dass sie so gut funktioniert - man vergisst vollkommen, dass hinter dem Gerät eine kommerzielle Absicht steckt und 24 Stunden am Tag ein Mikrofon zuhört. Genau deshalb habe ich sie gekauft, um zu testen, wie man emotional auf so eine Maschine reagiert und sich an sie gewöhnt. Und das funktioniert wirklich verblüffend gut.

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