Herbert vs. die Realität

Mein Social-Writing-Experiment Mygnia hat insgesamt leider nur eine schwache Resonanz erzeugt, dafür aber einige hochkarätige und sehr kreative Ideen hervorgerufen. Zu den absoluten Highlights gehört "Herbert", der Antiheld der deutschen Science Fiction, der mit seinem unerschütterlichen Gespür für Fettnäpfchen und Katastrophen jeden noch so spektakulären wissenschaftlichen Fortschritt ad absurdum führt.

 

Umso mehr freue ich mich, dass Herberts Schöpfer Heinrich aka Fritz seine Figur um eine Stellungnahme zu der existenziellen Frage "Sind wir real?" gebeten hat. Denn was Herbert zu den Thesen von Baudrillard, Hans-Peter Dürr, Bas van Fraassen und Nick Bostrom zu sagen hat, zeugt von bemerkenswertem philosophischen Tiefsinn: "Real ist, dass sie wieder meine Frührente abgelehnt haben, dass mein Hausarzt meinen Zucker nicht in den Griff kriegt, obwohl ich kaum noch Cola trinke, alles jeden Tag teurer wird..."

 

Wo er recht hat, hat er recht.

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Kommentare: 2
  • #1

    Fritz (Montag, 14 Oktober 2013 01:00)

    Hallo Karl,
    über das Lob freue ich mich sehr! Danke!
    Ich missbrauche mal hier die Kommentarfunktion, weil es auf http://sindwirreal.de keine Möglichkeit gibt, öffentliche Fragen zu stellen:
    Mich interessiert, wie es mit der KI aussieht. Wenn wir uns in einer Simulation befinden, ist künstliche Intelligenz dann eine Subroutine dieser Simulation, oder könnte KI sich so weiterentwickeln, dass die Simulation sie nicht mehr beeinflussen kann?
    Naturgesetze und selbst Quantenphysik liefern mir als Laien keinerlei "Beweise" über die Art unserer "Realität", aber ich kann mir vorstellen, dass eine sehr hoch entwickelte KI entweder aus der Simulation ausbrechen kann, oder die Frage beantworten kann, ob wir real sind.

    Gruß Fritz

  • #2

    karl-olsberg (Montag, 14 Oktober 2013 19:01)

    Hallo Fritz,

    eine KI in einer simulierten Welt ist natürlich für immer Teil der Simulation und wäre somit auch immer von ihr beeinflusst. Wie Gödel mathematisch bewiesen hat, könnte so eine KI zwar eine eigene Welt simulieren, die aber niemals so komplex sein kann wie sie selbst. Somit kann auch die KI nicht über die Simulation, in der sie geschaffen wurde, hinauswachsen.

    Allerdings könnte eine KI sehr wohl die Frage beantworten, ob sie auf simulierter oder echter Hardware läuft, so wie wir prinzipiell auch feststellen können, ob wir simuliert sind. Wir wissen es zwar noch nicht, aber es ist durchaus möglich, dass wir eines Tages einen definitiven Beweis für oder gegen diese Hypothese finden.

    Gruß

    Karl

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