Die Buchbranche auf dem Holzweg

Zugegeben, die neue Thalia-Kampagne ist aufmerksamkeitsstark und teilweise witzig gemacht. Aber sie versucht, das Lesen von Büchern als bessere Alternative zur Nutzung digitaler Medien darzustellen. Und das ist ein fataler Denkfehler, den nicht nur Thalia begeht, sondern weite Teile der Buchbranche.

 

Ich stimme den Zielen, die auf der Website zur Kampagne formuliert sind, vorbehaltlos zu: "Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, Menschen wieder für das Lesen zu begeistern. Unsere Welt ist zunehmend schnelllebig und oberflächlich - geistiges Junk Food dominiert. Die Menschen haben verlernt, tief in Inhalte einzutauchen. Jeder Vierte liest überhaupt nicht mehr. Das wollen - und müssen - wir ändern."

 

Allerdings glaube ich nicht, dass der beste Weg, um wieder mehr Menschen für das Lesen zu begeistern, darin liegt, digitale Medien pauschal schlechtzureden. Im Gegenteil: Der Erfolg meiner Minecraft-Romane beweist, dass digitale Medien und klassisches Lesen von gedruckten Büchern einander hervorragend ergänzen und befruchten können.

 

Auch mit dem Motto der Kampagne habe ich so meine Probleme: Welt, bleib wach? Gerne - aber nicht, wenn die Welt gerade Bücher liest! Dann die Leser dürfen und sollen ja gerade für einen Moment in meiner fiktiven Welt versinken und die Realität vergessen, also genau das Gegenteil von "wach bleiben". Meine Hoffnung ist allerdings, dass sie danach umso wacher sind, mit klarem Verstand durch die Welt gehen und moderne Technik als das sehen, was sie ist: Chance und Risiko zugleich.

 

Ebenso hoffe ich, dass die Buchbranche bald aus dem Traum erwacht, nur sie könne die Welt noch vor der totalen Verblödung durch digitale Medien retten, damit aufhört, Leser mit der Moralkeule in die Buchhandlungen prügeln zu wollen, und endlich anfängt, die Digitalisierung nicht nur als notwendiges Übel, sonder auch als große Chance für das Erzählen und die Vermittlung von Wissen zu begreifen. (Natürlich gibt es bereits einige in der Branche, die das so sehen - aber noch längst nicht alle.) Diesen Standpunkt habe ich in einem heute erschienenen Blogbeitrag für "Bookbytes", das Blog des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, noch etwas ausführlicher dargestellt.

 

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