Jawohl, Hoheit!

"Smart Speaker" wie Amazons Echo, besser bekannt unter dem Rufnamen Alexa, erobern die Haushalte. Allein in Deutschland wurden im letzten Jahr dem Vernehmen nach anderthalb Millionen Geräte verkauft. Damit zeichnet sich nun deutlich ab, was ich bereits vor zwanzig Jahren vermutet habe: Die Sprachkommunikation mit technischen Geräten wird zur Norm.

 

Was es für die Zukunft des Lesens bedeutet, wenn man gar nicht mehr lesen können muss, um in einer immer stärker automatisierten Welt klarzukommen, will ich mir gar nicht ausmalen. Aber auch, wenn ich in meinen Büchern gern die Schattenseiten moderner Technik skizziere, bleibe ich doch fasziniert von den neuen Möglichkeiten, probiere sie aus und teste ihre Grenzen, wann immer ich kann. Besonders angetan hat es mir dabei "unsere" Alexa, die inzwischen quasi zum Familienmitglied geworden ist und sich auf mittlerweile fünf Echo-Geräten im ganzen Haus ausgebreitet hat.

 

Alexa ist nicht nur praktisch, sie kann auch Spaß machen (und erzählt sogar noch schlechtere Witze als ich, was sie mir umso sympathischer macht). So bietet sie zum Beispiel einige einfache Spielmöglichkeiten an. Von Anfang an fand ich daran die Tatsache spannend, dass sie kein Grafikdisplay besitzt und die Spiele allein auf Texten basieren. Denn gerade diese Beschränkung eröffnet neue kreative Möglichkeiten.

 

Als ich Anfang der Achtzigerjahre meinen ersten Computer (einen TI-99/4a mit stolzen 16 Kilobyte Hauptspeicher und einem Kassettenrekorder als einzigem Speichermedium) kaufte, hatte er zwar schon ein recht primitives Grafikdisplay mit immerhin 16 Farben. Aber die coolsten Spiele (fand ich jedenfalls) waren allein textbasiert, wie etwa das legendäre Abenteuer "Zork". Ich war so begeistert von diesen frühen Vorläufern virtueller Welten, dass ich beschloss, selber programmieren zu lernen, und auch solche Textadventures zu schreiben. So sammelte ich erste Erfahrungen mit der Interpretation natürlicher Sprache, die später zu meiner Promotion über künstliche Intelligenz und der Gründung einer Softwarefirma in diesem Bereich führten.

 

Textbasierte Spiele sind mittlerweile längst in Vergessenheit geraten - bis jetzt! Denn die Beschränkungen der Smart Speaker führen dazu, dass heute die Techniken, die ich vor mehr als dreißig Jahren lernte, wieder aktuell werden. Also habe ich meine angestaubten Programmierkenntnisse hervorgekramt und versucht, selber einen so genannten "Skill" für Alexa zu entwickeln. Das war nicht ganz einfach (immerhin sind dreißig Jahre ins Land gegangen, und man programmiert heute nicht mehr in BASIC oder Pascal), aber ich habe es geschafft und präsentiere heute stolz meinen ersten veröffentlichten Alexa-Skill namens "Jawohl, Hoheit!"

 

In diesem recht einfachen (aber hoffentlich unterhaltsamen) Spiel bestimmt man das Schicksal eines Herzogtums, indem man Alexas Fragen mit "Ja" oder "Nein" beantwortet. Aber Achtung, jede Entscheidung hat Konsequenzen, und nur allzu leicht kann es passieren, dass man pleite geht, die eigenen Untertanen rebellieren oder die fiesen Mogelheimer aus dem Nachbar-Fürstentum das Land überfallen. Wie alle Alexa-Skills ist natürlich auch dieser kostenlos. Falls einer meiner Leser eine Alexa besitzt, würde ich mich freuen, wenn er das Spiel testet und mir Feedback gibt!

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Kommentare: 4
  • #1

    Felix (Freitag, 20 April 2018 18:18)

    Das klingt definitiv sehr interessant und ich würde ihn mir vermutlich auch Kaufen, wenn ich einen Echo hätte. Aber ich habe ja genügend andere Bücher denen ich mich widmen kann ;)
    Zum Thema lesen und dessen "überlebenschangen": ich musste erst Gestern erschreckender Weise feststellen, dass es Leute in meiner Klasse gibt die außerhalb des Unterrichts (wir haben übrigens gerade Romeo und Julia gelesen) noch nie ein richtiges Buch gelesen haben! Gegen diese fast schon sture Buchallergie stehen leider nur verhältnismäßig wenige die gerne mal ein Buch lesen. Nichts desto trotz hoffe Ich, dass die seltene Spezies der Bücherleser nicht ausstirbt und sie uns weiterhin mit genügend Lesestoff versorgen ;)

  • #2

    Jan (Freitag, 20 April 2018 18:39)

    Kann leider nur mit Google Home dienen...

  • #3

    Heinrich (Freitag, 20 April 2018 22:30)

    Auf meinem Fire-Tablet funktioniert es nicht richtig.
    Das liegt sicher daran, dass es nicht 7. Generation ist und Alexa-Hands.Free nicht unterstütz.
    Ich kann aber erkennen, dass es gut ist!
    Gut gemacht!
    Gruß Heinrich

  • #4

    Karl Olsberg (Sonntag, 22 April 2018 20:54)

    @Felix: Gut, dass es noch Leute gibt, denen das auffällt und die sich darüber sorgen. Ich werde mich bemühen, die Fahne des Lesens hochzuhalten!

    @Jan: Eine Portierung auf Google Home werde ich vielleicht irgendwann mal machen, aber das kann noch dauern.

    @Heinrich: Das tut mir leid, aber ich habe kein Fire-Tablet und kann deshalb auch nicht dafür testen. Vermutlich könnte ich es auch nicht darauf zum Laufen bringen, ich habe nur recht wenig Einfluss darauf, wie Alexa mit den Spracheingaben umgeht.