FAQ

Woher nimmst du deine Ideen?

Immer noch der Top Hit unter den Fragen, die ich auf Lesungen gestellt bekomme. Ideen bekommt man überall: beim Lesen (vor allem schlechter Bücher), beim Filme schauen, bei der Arbeit, unter der Dusche. Oft sind es nur Keime, die über Jahre reifen. Ich notiere sie in einer Datei namens "The next Story", die inzwischen über 200 Einträge enthält. Während ich ein Buch schreibe, kommen 5-10 neue Buchkeime hinzu. Die Liste wird also nie leer werden.
Generell gilt: Ideen sind keine Mangelware. Jeder hat sie. Die Umsetzung ist das Problem. Dazu braucht man Geduld, Ausdauer und die Bereitschaft, zu lernen.

 

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Durch's Lesen natürlich. Im Alter von 10 Jahren war ich ein großer Fan der SF-Serie Perry Rhodan. Aber schon damals hatte ich das Gefühl, dass die Geschichten nicht immer logisch waren. Also hab ich mich hingesetzt und meinen ersten großen Roman geschrieben. Ich weiß noch, dass er "Heißer als flüssiges Eisen" hieß und von einer Reise ins Erdinnere handelte, aber leider ist der Originaltext verschollen. Er muss mindestens 10 handgeschriebene Seiten lang gewesen sein. ;-)

Danach habe ich immer wieder mal Schreibversuche unternommen, aber meist nach wenigen Seiten wieder aufgegeben. Bis ich im Jahr 2003  "So You Want to Write a Novel" von Lou Stanek las - ein Buch, das mein Leben veränderte. Darin stand im Wesentlichen, dass ich mit der Aufschieberitis aufhören und endlich einen Roman zuende schreiben sollte. Das hab ich gemacht. Das Buch habe ich an 10 Verlage geschicht, 10 Absagen kassiert und es dann im Selbstverlag veröffentlicht (ich habe im Laufe von 10 Jahren insgesamt stolze 30 Stück verkauft). Auch meinen zweiten und dritten Roman wollte niemand haben. Die Lage änderte sich erst, als ich 2006 

mit meiner Geschichte "Taubers Sammlung" einen Schreibwettbewerb des Buchjournals gewann. So lernte ich meine Agentin Silke Weniger kennen, die mir half, meinen vierten Roman "Das System" beim Aufbau-Verlag unterzubringen. Das Buch erreichte Platz 23 der SPIEGEL-Bestsellerliste.

Was lernen wir daraus? Wer ein Autor werden will, braucht Durchhaltevermögen und Geduld!

 

Was liest du gern? Hast du Vorbilder?

Natürlich lese ich gern, sonst könnte ich nicht schreiben. Allerdings ist das der eine Preis, den man als Schriftsteller zahlt: Man versinkt nicht mehr so in der Lektüre wie früher. Wenn ich lese, dann liest mein "innerer Lektor" meistens mit und analysiert, was der Autor oder die Autorin da gerade macht: Wie ist der Spannungsbogen aufgebaut? Warum gerade diese Wortwahl? Hätte ich das auch so geschrieben? Was passiert wohl als Nächstes? Das nervt manchmal, aber dadurch lernt man natürlich auch. Mein Lesespektrum ist ziemlich breit, Science Fiction, Fantasy und Thriller gehören ebenso dazu wie Sachbücher, z.B. über Stringtheorie oder Geschichte, die ich sowohl aus Interesse als auch zu Recherchezwecken lese, außerdem Managementlektüre (ich hab ja auch noch einen Brotberuf). Zu meinen Vorbildern gehören Andreas Eschbach, Michael Ende, Erich Kästner, Neil Gaiman, Stephen King, Neal Stephenson und Ken Follett, um nur einige zu nennen. Wobei "Vorbild" nicht bedeutet, dass ich versuche, ihnen nachzueifern; doch ich bewundere ihr Können und versuche, davon zu lernen.

 

Woran schreibst du gerade?

Verrate ich nicht. Im Ernst, ich bin da abergläubisch. Wenn ich über eine Geschichte rede, bevor sie fertig ist, schreibe ich sie vielleicht nicht zuende. Zwar gibt es inzwischen genug Beispiele von Geschichten, die ich mit meinem Lektor und meiner Agentin vorher besprochen und dann auch fertiggestellt habe, aber trotzdem habe ich immer noch das Gefühl, dass ein Stück meiner Energie verloren geht, wenn ich über ein Projekt zu früh spreche.

 

Kommen Freunde und Bekannte in deinen Büchern vor?

In der Regel versuche ich, zu vermeiden, dass eine Figur in einem Buch zu stark einer realen Person ähnelt. Das führt nämlich unweigerlich zu einer Art Schreibhemmung - man will ja der betreffenden Person nicht unrecht tun. Trotzdem fließen natürlich immer wieder Szenen und Eindrücke aus meinem Leben in die Bücher ein, und auch die Figuren haben oft einzelne Züge, die ich von Menschen, die ich kennengelernt habe, "leihe". In "Das System" zum Beispiel verarbeite ich meine eigenen Erfahrungen als Start up-Gründer; dort tauchen auch Figuren auf, die Charakterzüge von realen Personen haben. Wenn ich am Entwurf eines neuen Buchs arbeite, füge ich oft Fotos in die Profile der Figuren ein. Das sind aber in der Regel Fotos von Schauspielern oder bekannten Persönlichkeiten. Im Profil der autistischen Figur Simon Wissmann aus meinem Roman "Delete" findet sich zum Beispiel ein Foto von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Aber die Ähnlichkeit ist rein optisch - Zuckerberg ist alles andere als ein Autist.

 

Wie lange schreibst du an einem Buch?

Ich versuche, ein tägliches Pensum von 1.000 Wörtern zu schaffen, das sind etwa 3,5 Seiten. Für einen Roman von 350 Seiten brauche ich also 100 Tage. Aber das ist nur der Aufwand für die unredigierte Rohfassung. Inklusive Vorbereitung, Recherche und Überarbeitung dauert es mindestens doppelt so lange. Auf diese Weise schaffe ich insgesamt etwa 600 Seiten pro Jahr, also z.B. einen Thriller von 400 und ein Jugendbuch von 200 Seiten.

 

Schlägt dein Verlag Ideen vor?

Das passiert praktisch nie, obwohl ich der Meinung bin, dass Verlage - ähnlich wie z.B. Filmproduktionsfirmen - verstärkt selbst Stoffe entwickeln (lassen) sollten, an denen ihnen dann von Anfang an die Rechte gehören. Die meisten Verlage verlassen sich weiterhin darauf, dass sie auch in Zukunft genügend interessante Stoffe angeboten bekommen und auswählen können. Ob das in Zeiten des stark wachsenden Selfpublishings eine zukunftsträchtige Strategie ist, bezweifle ich. Es gibt aber auch Ausnahmen. Eine meiner ersten Veröffentlichungen war eine Auftragsarbeit: Der Romanteil in dem Buch "2057 - Unser Leben in der Zukunft" nach der Drehbuchvorlage zum gleichnamigen ZDF-Dreiteiler.

 

Wieviele Änderungen will ein Verlag, nachdem du dein Buch abgegeben hast?

Das kommt natürlich drauf an. In der Regel sind es sehr viele Kleinigkeiten, die ein Lektor in einem Text markiert: Wortdoppelungen, unelegante Formulierungen, zu komplizierte Sätze, Längen im Text etc. Es liegt dann an mir, ob ich die Änderungsvorschläge akzeptiere, was ich allerdings in 95% der Fälle tue. Bevor mein Lektor den Text überhaupt sieht, ist allerdings meine erste, schärfste und hilfreichste Kritikerin an der Reihe - meine Frau Carolin. Sie setzt sehr viel gnadenloser den Rotstift an und schreibt Anmerkungen an den Rand wie etwa "Das ist doch viel zu einfach gestrickt", "Nicht schon wieder" oder "Muss ich das jetzt wirklich weiterlesen?". Oft streiche ich anschließend einen großen Teil des Textes durch und schreibe ihn noch mal neu. Denn dummerweise hat sie jedes Mal recht. Ernest Hemingway hat es auf den Punkt gebracht: "The first draft of anything is shit". Jeder Lektor, der meine Texte überarbeitet, muss dankbar sein, dass er diesen First Draft nie zu sehen bekommt.

 

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